Bau, Größe und Oblast der Flöße

Grundsätzlich sind bei der Flößerei zwei Arten des Holztransportes zu unterscheiden: Die Trift bei der kürzeres Holz ( 3 - 5 Meter Länge ) einzeln transportiert wird, und die eigentliche Flößerei, bei der die langen Holzstämme zu einem Floß gebunden, an ihren Bestimmungsort gesteuert werden.
Die nachstehenden Angaben beziehen sich auf die Flößerei, die am Hochrhein
mit den weiten Transportwegen ausschließlich Anwendung fand.
So bestand ein Floß entweder nur aus leeren Stämmen, auf denen bei langen Wasserwegen noch eine primitive Bretterhütte als Unterkunft für die Flößer errichtet war, oder das Floß konnte zugleich auch Transportmittel für eine Oblast von Personen ( Pilger, Söldner) oder Waren aller Art sein.
Transportiert wurde per Floß meist nur Nutzholz, und zwar ganze Stämme, rund oder "gefleckt" ( unten leicht vierkantig gehauen ). Die Stämme lagen in einer Lage nebeneinander und waren durch Querhölzer zusammengehalten, 3 bis 4mal mit Wieden, später mit Klammern an den Stämmen befestigt. In der
älteren Zeit waren nur die äußeren, später alle Stämme mit Wieden durch
Bohrloch mit Eschenzapfen festgehalten. Bei Langholzflößen war ein Teil der
Stämme mit Stockende vorn, ein größerer mit Stockende hinten eingebunden.
Die äußerste Tanne der Seitenwölbung nannte der Flößer Streiftanne oder Wandtanne. Die Steuereinrichtung für das fließende Wasser, das "Stökli", bestand aus zwei kurzen, senkrecht hinten und vorn im Floß eingelassenen und durch Flechtruten verbundenen Holzstücken, zwischen denen das Steuer ( auf den Seen mehrere Ruder) geführt wurde.
Die Holzmaße eines Floßes war je nach Breite, Einzugsgebiet und Beschaffenheit
eines Flusses verschieden. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts bestand zum Beispiel das Aarefloss in Aarburg aus ca. 40 großen oder 100 bis 200 kleinen Stämmen; bei Stilli waren es 80 bis 130 Tannen. Aus drei nach Laufenburg abgeführten Flößen wurden unterhalb der Stromschnellen zwei neue hergestellt. Unterhalb von Basel wurden diese Flöße dann durch mehrmaligen Zusammenbau vergrößert, bis Hauptflöße von 400 Meter Länge und 80 Meter Breite entstanden, die mit gewaltiger Oblast in Form von Schnittholz,
Rundholz, Brettern, Fässern und vielen Handelsgüter beladen waren und auch zum Transport von Personen dienten.
Am Hochrhein wurde an der Floßkehr-Ordnung von 1736 die erlaubte Floßgröße
mit "zwanzig Bäum Dielen- oder zwanzig Stück Bauholz zu einen "Flotz" angegebenen. In der "Neuen Ordnung" von 1808 unterschied man neben den Eichenflößen, deren Transport außerhalb der Kehr erfolgte, Bauholz-, Diehlen und Brennholzflöße. Bauholzflöße durften in der Breite zwischen 18 und 22 Schuh gebaut werden, wobei noch acht Bäume als Oblast zugelassen waren.
Diehlenflöße sollten sich aus 28 bis 34 Dielenbäumen zusammensetzen. Das Brennholz wurde auf Bauholzflöße geladen.
Ein solches Floß durfte nicht mehr als zwei Schuh Tiefgang haben.
Zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen den Holzhändlern und den Rheingenossen sowie das Aufkommen neuer Floßarten führten 1837 zu einer neuen Floßbau-Ordnung am Hochrhein, die 1853 nochmals leicht abgeändert wurde. Als höchstzulässige Breite und Länge eines Floßes galten 22 respektive
70 Fuß. In Bezug auf die Oblast einigte man sich 1853 - auch hier nach langen Verhandlungen - dahin, dass die Flöße bei mittlerem Wasserstand nicht mehr als 1 % Fuß tief im Wasser gehen sollten. Tieferer Wassergang des Floßes war nicht erlaubt.
Nach der Freigabe von Schifffahrt und Flößerei auf dem Rhein von Neuhausen
bis Basel (1979) trat im folgenden Jahr eine eidgenössische Floßordnung für
die Flößerei auf dem Rhein in Kraft. Die zulässige Größe der Flöße betrug 7,50
Meter in der Breite und 27 Meter in der Länge, wobei zwei Stämme auf die ganze Länge des Floßes durchreichen und in der Mitte des Floßes ein kräftiger Tragbaum angebracht werden musste. Der höchstzulässige Wassertiefgang betrug 55 Zentimeter. Genügten für die Strecke bis Rheinsulz zwei Flößer, so
waren von da an mindestens drei Mann erforderlich, die mit den nötigen Rudern und einem Seil von mindestens 40 Meter Länge ausgerüstet sein mussten.

 

Ankunft und Einkehr der Rheingenossen

Hatten die Rheingenossen schließlich Basel erreicht und am Hünninger Kapelin
ihr Floß festgemacht, übergaben sie ihr Fahrzeug samt Oblast zum Verkauf oder Weitertransport.
Bevor sie sich aber in Richtung Heimat in Marsch setzten, feierten sie das glückliche Ereignis gründlich und ausgiebig. Der Heimweg wurde dann unter die Füße genommen. Beladen und belastet mit Floßäxten, Stichel, Hanfseilen, dem Brotsack und dem selten nicht leeren Weinfäßchen, wanderten sie der Heimat entgegen.

 

Umfang der Flößerei

Bevor in der Rheingenossenschaft ein geordnetes Rechenwessen eingeführt wurde, was 1823 der Fall war, lassen sich keine Angaben finden, die uns über den Umfang der Oberrhein-Flößerei Aufschluss geben könnten. Die Dinge liegen aber meines Erachtens so, dass besonders unter österreichischer Herrschaft die Flößerei großen Schwankungen unterworfen war. Die Nachfrage nach Brennholz wie auch nach Nutzholz muss vor allem zu Kriegszeiten eine sehr große gewesen sein, da in jenen Zeiten die provisorisch errichteten Befestigungsanlagen größtenteils aus Holzstämmen bestanden. Größere Schwankungen dürften auch die wechselnden Waldordnungen verursacht haben, die bald hemmend, bald fördernd die Waldnutzung reglementierten. Mit der seit 1823 pro Rechnungsperiode angeführten Floß zahl lässt sich der Aufstieg, Höhepunkt und Niedergang der Oberrhein-Flößerei in Zahlen ziemlich genau verfolgten Interessant ist das stetige Ansteigen der Flößerei bis zu einem absoluten Höhepunkt in Jahre 1856 während nachher, bedingt vor allem durch die Eröffnung der rechtsrheinischen Eisenbahnlinie Basel-Waldshut, im Jahre 1856 ein kaum unterbrochener Rückgang festzustellen ist. Wegen der Abschaffung der Rheinzölle und des allmählichen Zerfalls der Rheingenossenschaft lassen sich für die Zeit nach 1868 keine genauen Angaben mehr ermitteln; doch ist sicher, dass der weitere Rückgang anhielt.
Im Jahre 1890 sollen noch ca. 500 Flöße rheinabwärts gefahren sein, während in der Zeit von 1901 bis 1907 durchschnittlich noch 32 Flöße die Floßgasse des Stauwerkes beim Kraftwerk Rheinfelden passierten.

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